Evangelisation auf Deutsch und Arabisch  Fragen über Fragen War dieser Wechsel wirklich Gottes Wille? Sollten wir tatsächlich den «Treffpunkt» verlassen? Den Platz, wo alle, die sonst nirgends hineinpassten, willkommen waren. Es war ja ein wichtiger Dienst, den wir dort taten. Mein damaliger Chef ermutigte mich sehr zu diesem Wechsel, doch die Mitarbeiter konnten sich nicht vorstellen, ohne uns weiterzumachen. Angst blockierte mich Was, wenn sich kein Nachfolger für das «Open Heart» fand? Was, wenn dann dieser Treffpunkt zuging und damit acht Jahre unseres Lebens abstürben? Was, wenn es mir nicht gelingen sollte, einen Spenderkreis für meinen neuen Dienst bei MEOS Svizzera aufzubauen? Was, wenn ich keine bezahlbare neue Wohnung fand? Was, wenn die MEOS wieder in Finanznot geriet? Was, wenn ich im Dienst unter Muslimen nur Misserfolge erlebe und unglaubwürdig werden sollte? Grünes Licht und offene Türen Doch dann schenkte mir Gott einen Traum. Von da an wusste ich, dass ich vom «Treffpunkt» weggehen und zu neuen Ufern aufbrechen durfte. Er selber gab mir grünes Licht. Alles klappte grandios. Noch während unserer letzten Woche an der bisherigen Stelle fand sich ein Nachfolger, der perfekt zum frei werdenden Arbeitsplatz passte. Am Tag, bevor wir für eine im Grunde unbefriedigende Wohnung unterschreiben sollten, wurde uns ein viel schöneres Reihenhaus sagenhaft billig angeboten. Dienst bei MEOS Meine Hauptaufgabe bei MEOS Svizzera ist Evangelisation unter arabisch und deutsch sprechenden Muslimen und die Heranbildung von «Mithelfern» für diesen Dienst. Insbesondere Asylbewerber sind wichtige Ansprechpartner für uns. Ein befreundeter Pastor, den ich in Arabisch unterrichtete, entpuppte sich als guter «Coach» (Berater). Er gab mir entscheidende Tipps für meine neue Aufgabe. Gott legte zudem einem «Ghostwriter» und Verleger aufs Herz, ein Buch mit mir zu schreiben. Genau im richtigen Moment schickte er auch jemanden, der das Ganze finanzierte. In der Freiheit, die MEOS Svizzera mir gibt, lernte ich, viel mehr auf Gottes Stimme zu achten. Türen, die ich aufstossen wollte, blieben verschlossen und andere öffneten sich von selber. Etwas über mich Mein Geburtsort ist Affoltern am Albis im Kanton Zürich. Aufgewachsen bin ich jedoch grösstenteils in der Stadt Bern. Mit sechzehn Jahren wandte ich mich Jesus zu, nachdem ich vorher eine stürmische Phase der Sinnsuche erlebt hatte. Nun beteiligte ich mich an der damals blühenden Teestuben- Arbeit von «New Life». Auch an Freiversammlungen zur Verkündigung des Evangeliums sang ich mich heiser. Auf zum vollzeitlichen Dienst Bei «New Life» war es selbstverständlich, dass alle, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, ihr Leben im Hinblick auf einen vollzeitlichen Dienst ausrichteten. In der Teestube hatten wir oft Besuch von Missionaren. Ich hörte von einer grossen geistlichen Not in islamischen Ländern. Irgendwann fasste ich den Entschluss, auf dem Gebiet des Islams zu arbeiten. In Bern und London studierte ich Theologie. Als zukünftiger «Vollzeiter» musste ich mir das berufliche Rüstzeug aneignen. Auslandeinsätze und Sprachen lernen Anschliessend machte ich – unter anderem mit OM (Operation Mobilisation) – zwei Jahreseinsätze in Ägypten. Wenn ich unter islamischen Menschen arbeiten wollte, so dachte ich mir, musste ich deren Kernsprache, das Arabische, kennen und sprechen können. Mancher Schweisstropfen fiel auf meine Unterlagen! Zusätzlich zur recht schwierigen Sprache musste ja auch die arabische Schrift gelernt werden. In der Schweiz half ich zwischendurch beim Gemeinde-Aufbau und in der Hauskreisarbeit von «New Life», Bern. Mona An einer Hochzeit in einem Dorf in Oberägypten traf ich sie. Mona, meine zukünftige Frau. Ich lernte sie besser kennen und wusste bald, dass sie meine missionarische Ausrichtung mittragen würde und auch bereit war, Opfer zu bringen. Wie froh war ich, als sie meinen Heiratsantrag mit «ja» beantwortete. Später wurden uns zwei flotte Töchter geschenkt, die uns viel Freude bereiten. Vom Theologen zum Sozialarbeiter Nach unserer Heirat arbeitete ich zwei Jahre in Zürich mit Heinz Strupler zusammen, dem Gründer der vielseitigen «New Life»-Bewegung. Ich engagierte mich in der überdenominationellen Freikirche ICF sowie beim IGW, dem Institut für Gemeindebau und Weltmission. Zurück in Ägypten, leiteten wir schliesslich in Helwan ein Waisenhaus mit siebzig Buben. Überglücklich meinten wir, damit unsere Lebensaufgabe gefunden zu haben. Doch dann wurde ich unvermittelt wegen Verleumdung aus Ägypten ausgewiesen. Während zehn Monaten kämpfte Mona noch weiter um das Waisenhaus und für meine Rückkehr. In jener Zeit erlebte sie eine Erweckung unter den Kindern. Nach einem Zwischenjahr im Libanon öffneten sich für uns überraschend die Türen für die Arbeit bei der Heilsarmee und die Gründung des «Open Heart». Dienst unter Asylbewerbern Extreme vermeiden Zwei Extreme müssen wir im Dienst unter Asylbewerbern vermeiden: Lieblosigkeit (Verurteilung im Herzen, Herzenshärte wegen erlittener Verletzungen) Blauäugigkeit (alles glauben und unterstützen, was erzählt wird) Arbeit unter Muslimen Je länger ich bei MEOS Svizzera arbeite, je mehr liegen mir die Muslime am Herzen. Klar, es gab und gibt immer noch Missverständnisse im Umgang mit der anderen Kultur. Das Denken in den starken «Ehrbegriffen» der orientalischen Mentalität machte mir als Schweizer und Westeuropäer oft Mühe. Da konnte Mona mit ihrem ägyptischen Hintergrund vieles durchschauen oder entschärfen. Ich entdecke an jener Kultur aber auch immer wieder viel Schönes. Es ist ein Vorrecht, aus Ost und West das Beste auslesen zu können! Wenn es sein muss, möchte ich 100-jährig werden, um eine Erweckung unter Muslimen zu erleben. Das wird eine sehr schöne Braut für Jesus geben. Kurt Beutler Acht Jahre lang wohnten sie als Familie im Kreis 5 in Zürich, direkt neben der berüchtigten Langstrasse. Im Auftrag der Heilsarmee hatten sie das «Open Heart», einen «Treffpunkt für Randgruppen» eröffnet. Doch dann kam die Chance für Kurt Beutler, in die «MEOS» zu wechseln und dadurch speziell Zeit für den Dienst unter Muslimen zu haben. Seitenanfang MEOS